Dr. med. vet. Dunya Reiwald, Bern
dipl. SHI, GST, DENVF

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Hundeerziehung

 


Pferde

Pferdeverhalten und -erziehung, Wissenswertes

 

Pferde sind mittlerweile Haustiere geworden, aber sie bleiben Fluchttiere, d.h. sie flüchten aus einer Situation die ihnen bedrohlich erscheint. Flüchten zu können ist also bezeichnend für ihr Verhalten. Wollen wir ihnen das flüchten verunmöglichen, müssen wir genau wissen was wir tun und welche Alternativen wir bieten! 

Pferde sind Herdentiere: sie fühlen sich alleine nicht wohl und brauchen eine Hierarchie. So gibt es in jeder Herde ein Leittier. Auch der Mensch wird vom Pferd als Mitglied der Herde betrachtet und wird über- oder untergeordnet. Jede hierarchische Verhalten ist allerdings immer situationsbedingt und veränderlich. 

Wichtig ist das Pferd als Individuum zu betrachten, es als solches zu verstehen und seine Eigenheiten zu respektieren. Je besser man das Pferd einschätzen lernt, desto leichter kann man sein Verhalten bewerten und angemessen darauf reagieren. Denn die meisten Unfälle passieren, weil wir ein Verhalten nicht hervorsehen konnten!

Obwohl der Mensch zu den Raubtieren gehört muss das Pferd verstehen, dass er ihm nichts antun wird. Es muss ihn als Herdenführer akzeptieren. Das ist viel verlangt, wenn ihm sein Instinkt eigentlich rät das Weite zu suchen!

Eine Gerte oder Peitsche sollen nur spezifisch und sachte zur Erziehung eingesetzt werden, denn ein Pferd ist sensibel genug um schon eine Fliege auf dem Rücken zu spüren, es sieht um 360 grad und reagiert grundsätzlich besser auf Belohnung. Und die beste Belohnung ist beim Pferd eine Streicheleinheit.

Niemals dürfen die Hände des Menschen als gewalttätige Instrumente angesehen werden. Vielmehr dient die menschliche Körperhaltung dazu, dem Pferd begreiflich zu machen, ob es sich gut oder schlecht verhält. Nur eine fundierte Lerntheorie (Belohnung, Bestrafung) führt zu einer artgerechten Erziehung und zur besten Ausbildung.

Die persönliche Sphäre, d.h. die Distanz die jedes Wesen als Schutzzone braucht, spielt auch beim Pferd eine wichtige Rolle und wird bei der Erziehung eingesetzt.

Nie sollte das Pferd auf eigene Initiative ihre persönliche Sphäre verletzen. Auch wenn es normal ist, dass das Pferd es ab und zu versucht! Seien Sie konsequent.

 

Kommunikation: Mit Augen, Ohren, Nüstern, Maul, Hals, Beinen und Schweif kommunizieren Pferde. Diese Sprache gilt es zu beobachten und zu verstehen.

Einige Beispiele: Augen weit geöffnet mit Ohren nach hinten heisst Angst; Ohren nach vorne mit offenen Nüstern, und Hals nach vorne gestreckt heisst Interesse; Ohren an den Kopf angelegt, Zähneblecken, direkter Augenkontakt heisst ängstlich und bereit zum Schlagen oder Beissen

 

Grasen: ein Pferd verbringt ca. 13-17 Stunden/Tag am fressen. Es bewegt sich im Schritt um alle 12 Sekunden die nächste Stelle zu erreichen, bleibt also praktisch nur beim Schlafen (ca. 1 Std pro Tag) im Stillstand. Wasser wird 1 bis 3 mal am Tag aufgenommen.

Bewegung: Pferde gehen normalerweise im Schritt. Trab und Galopp gibt es bei Aufregung, Spiel oder Flucht. Da sie sich kontinuirlich bewegen und fressen sind sie immer fluchtbereit.

Haltung: Pferde haben 40 Mio Jahren in den Steppen gelebt und werden jetzt in Boxen (zu Deutsch Schachteln) gehalten. Der Himmel ist ihr Dach. Es sind keine Höhlenbewohner! Freilaufställe bieten den Pferden (denn sie sollten nie alleine gehalten werden) am besten die Möglichkeit sich so frei wie möglich zu fühlen. Dies ist für junge Pferde besonders wichtig. Zur Integration neuer Pferde in die Herde sollte man ganz gezielt vorgehen. Weidegang und Sozialkontakt (mindestens visuel) sind unabdingbar. Freilaufställe ersetzen den Weidegang nicht. Anbindehaltung ist verboten.

 

Aufzucht und Erziehung: Die erste Lebensstunde ist für das Pferd ganz entscheidend. Wenn man bei der Geburt dabei sein kann, hat man für den Rest der Erziehung viel gewonnen. Man sollte das Fohlen streicheln am ganzen Körper, damit es sich an den Handkontakt gewöhnt und sie als Teil seines Alltags akzeptiert. Am besten führt man die Streicheleinheiten auch später einmal pro Woche 5-10 Minuten durch. So weiss das Fohlen sofort, dass der Mensch zur Herde gehört und keine Gefahr darstellt. Es wird sich in Zukunft leichter berühren lassen, wenn zum Beispiel ein Halfter angelegt werden soll oder gar ein Sattelgurt angezogen. 

Verpasst man diesen Zeitpunkt, fängt man sobald wie möglich an!

15 Minuten hintereinander und 1 Stunde total Arbeit am Tag sind genug. Auch Pferde haben keine unbegrenzte Konzentrationsfähigkeit!

Das Fohlen sollte seinen Instinkten nicht folgen dürfen, es sei denn es soll ein Wildpferd werden!

 

Verhaltensstörungen: Es sollte immer feststehen, dass dem Pferd körperlich nichts fehlt, bevor man an Verhaltensprobleme denkt (Schmerzen können z.B. erhebliche Verhaltensstörungen hervorrufen). Koppt das Pferd oder will es nicht alleine mit dem Reiter ins Gelände raus, muss abgeklärt werden woran das liegen könnte: Furcht, ungeeignete Stallung, Bewegungsmangel, usw.

Manchmal sind die Charaktere von Pferd und Reiter einfach nicht vereinbar! Manchmal kommuniziert der Reiter nicht klar was er will. Oder das Pferd vertraut seinem Reiter nicht und fürchtet sich, weil es die Befehle schlicht nicht versteht.

 

Quelle: Monty Roberts, Jeaninne Berger, Iris Bachmann, Andrew McLean

N.B: Verhaltenswissenschaften beruhen auf Beobachtung!

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