„Ich halte es nicht mehr aus, er kratzt sich ununterbrochen, verletzt sich und blutet!“

Frau M ist ausser sich. Sie kann ihrem Hund nicht mehr zuschauen, wie er sich Tag für Tag die Flanken erneut aufreisst. Es blutet dann wenig und beruhigt sich. Klammer ist ein stattlicher Dogo Argentino  er wiegt vierzig kg und ist schneeweiss, was die Blutspuren nur besser sichtbar macht. Mittlerweile ist die linke Flanke immer verkrustet.

Klammer ist ein anhänglicher Kerl, immer in der Nähe der Besitzerin, immer am rumwühlen, herumknabbern, schnüffeln oder herumlaufen. In der Praxis legt er sich keine zwei Sekunden hin, und schon wieder reizt ihn etwas, das ihn dazu bewegt, auf Erkundungstour zu gehen!

Er sei zu Hause eigentlich ruhig, aber eben schon sehr nervös, immer auf der Lauer und sofort in Bewegung, sobald sich etwas tut.

Wenn Hunde sich selbst nagen oder kratzen, werden immer verschiedene Ursachen untersucht. Zuerst ob in der Familie irgendein spezieller Stressfaktor herrscht, wenn ja, muss dem nachgegangen werden. Dann ob es Parasiten sind, oder ob eine Allergie vorliegt. Dafür wird meist eine Diät verschrieben, die mindestens drei Wochen eingenommen werden sollte, um ein Resultat beurteilen zu können. Also bekommt Klammer zuerst eine Diät, eine sogenannte hypoallergene Diät.

Nach einem Monat kommt Klammer aber wieder, er kratzt sich etwas weniger, zumindest nicht mehr blutig, doch er nagt immer noch an sich herum und ist der selbe zappelige Kerl.

Wir entschliessen uns für ein Psychopharmakon, welches das Tier beruhigt und den Teufelskreis Kratzen/Jucken durchbricht. Eine Blutuntersuchung, welche um eventuelle somatische Leiden wie eine Hypothyreose oder eine hormonelle Störung gemacht wurde, war unauffällig.

Wieder ein Monat später ist Klammer ein anderes Tier. Er legt sich in der Praxis hin, ganze Minuten lang, und seine Flanke ist fast abgeheilt. Die Haare wachsen nach und werden nicht mehr ausgerissen.

Das Medikament soll er noch einen Monat einnehmen, bis er sich ganz beruhigt hat, erst dann können wir hoffen, dass er mit der Kratzerei nicht mehr anfängt.

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